Am Mittwoch, 17. Dezember, konnte die baselstädtische Volksinitiative Pharma für Alle eingereicht werden. 3526 stimmberechtigte Basler:innen fordern mit dieser Initiative, dass der Kanton einen Fonds für die gemeinwohlorientierte Versorgung der Bevölkerungen mit Medikamenten im In- und Ausland verwendet werden.
Der Gewerkschaftsbund, sowie die Verbände Unia und VPOD haben die Initiative mitgetragen und einen beträchtlichen Teil der Unterschriften beigesteuert.
Lucien Robischon, Präsident des GBB, erklärte die Beteiligung der Gewerkschaften in seiner Rede an der Einreichungsaktion:
Die Uhr tickt. Die Krankenkassenprämien steigen jedes Jahr. Und jedes Jahr steigt der Anteil der Prämiengelder, die für Medikamente verwendet werden. Sie sind mittlerweile höher die gesamten Kosten für alle ambulante Behandlungen, höher auch als die gesamten Spitalkosten.
Kein Wunder: Die grossen Pharmakonzerne machen Traumprofite. Novartis und Roche haben eine Kernprofitrate von 40% und mehr. Da ist aber nicht alles: Viel Geld fliesst auch in die enormen Preise, die bezahlt werden, wenn die Konzerne kleinere Pharmaunternehmen aufkaufen. Novartis hat grad kürzlich 12 Milliarden Dollar für die Firma Avidity Biosciences bezahlt. Damit wächst das Akquisitions- und Dealvolumen von Novartis allein in diesem Jahr auf rund 35 Mrd. US-Dollar. Diese Preise haben mit dem realen Wert der gekauften Unternehmen nicht viel zu tun. Sie sind ebenfalls Teil des Gewinns.
Die Folge: Pharmakonzerne treiben die Ungleichheiten in der Gesellschaft voran. Wenn der Roche-Chef Severin Schwan am ersten Arbeitstag im Jahr mit der Arbeit beginnt, hat er am Tag darauf schon vor der Znünipause so viel verdient wie eine Roche-Mitarbeiter:in mit dem tiefem Salär in einem ganzen Jahr.
Novartis wiederum plant in Stein die Entlassung von 700 Angestellten. Angesichts der hohen Gewinne ist das für die «geschätzten Mitarbeitenden» ein Schlag ins Gesicht.
Besonders von der Ungleichheit profitieren die Besitzer von grossen Pharma-Aktienpaketen. Seit November 2021 schenken Roche und Novartis mit sogenannten Aktienrückkäufen ihren Aktionär:innen jeden Monat eine Milliarde CHF– zusätzlich zu den normalen Dividenden. Jeden Monat! Eine Reduktion der Aktienrückkäufe um nur eine Milliarde (also ein Aussetzen der Rückkäufe während nur eines einzigen Monats) würde es erlauben, zehn Jahre lang die Löhne für die 700 Steiner Angestellten zu bezahlen.
Man könnte sich wundern, woher die Konzerne jeweils diese grossen Geldbeträge für all dies hernehmen. Bösartig, wer jetzt an die steigenden Medikamentenpreise und Gesundheitskosten denkt. Doch für die Haushalte werden die Krankenkassenprämien jedes Jahr zu einer grösseren Belastung. Das kann nicht ewig so weitergehen.
Was kann die Intiative Pharma für Alle bewirken?
Mit den Investitionen in Krebsforschung können die Preise gesenkt werden. Sparpotenzial mit den erwähnten Dosierungsstudien in der Schweiz: Bis zu 400 Mio CHF pro Jahr. Durch neue Antibiotika wiederum sinken die enormen Kosten für die Behandlung jener Patienten:innen, die heute von multiresistenten Keimen befallen sind. Sie müssen nicht mehr monatelang in totaler Quarantäne im Spital bleiben, sondern werden nach wenigen Tagen entlassen. Auch die Lieferausfälle verursachen hohe Kosten. Spitäler und Apotheken müssen heute einen grossen Aufwand betrieben, um Alternativen für die fehlenden Produkte aufzutreiben, und sie sind dabei nicht immer erfolgreich. Drum: Pharma für Alle ist eine gute Sache: Für die Patient:innen und auch für die Prämienzahlenden.
